Kontakt | Impressum und Haftungsausschluss

(ehemalige Türckheimer Eisenbahn)
Bereits 1899 setzten sich die damals eigenständigen Gemeinden Untertuerckheim (Schreibweise bis 1916) und Obertürkheim an einen Tisch, um über eine Verbindung auf der Schiene zu beraten. Die Staatsbahn endete in Untertuerckheim und machte auch keine Anstalten im Tal des Nesenbachs weiter zubauen. Die Zahl der Pendler und auch die Wirtschaft sollte gefördert werden. Am 27. 11.1901 stellten die Gemeinden einen Antrag zum Bau einer Eisenbahn dritter Klasse von Untertuerckheim über Gaisburg, Mitteltürkheim, Wangen nach Obertürkheim. Dieser Antrag wurde abgelehnt, weil der Plan der Staatsbahn im Bereich Untertuerckheim, Gaisburg und Wangen im Wege war. Nach neuen Überlegungen wurde dann am 27.02.1903 erneut ein Antrag beim zuständigen Ministerium eingereicht. Diesmal war der Streckenverlauf entsprechend dem heutigen Verlauf eingereicht worden. Nach der Freigabe begann man unverzüglich mit dem Bau der Bahn. Unvorhergesehene Schwierigkeiten traten in der Nähe des Nesenbachs auf. Hier musste der Untergrund trocken gelegt werden, da das Schwemmland keinen sicheren Betrieb zuließ. Die Auffüllung des Geländes mit Schlachtabfällen des nahe gelegenen Schlachthofes war leider keine allzu gute Idee. Nach wenigen Jahren sackte der Bahnkörper an mehreren Stellen ab und musste sehr aufwendig nachgebessert werden.
Die feierliche Eröffnung der Tuerkheimer Eisenbahn fand mit den örtlichen Honoratioren am 13. Mai 1905 statt. Die Eröffnungszüge starteten zeitgleich an den beiden Endpunkten der Strecke. Im Bahnhof Mitteltuerckheim trafen sich die Züge und es gab ein großes Fest. Etwas später kam dann noch eine Lok der württ. Staatseisenbahn mit dem Salonwagen und dem König. Jetzt konnten auch die vorbereiteten Reden der Schultheißen vorgetragen werden.

Zur Grundausstattung der Tuerkheimer Eisenbahn gehörten zwei Dampfloks (Bn2t, Baujahr 1905, Maschinenfabrik Esslingen (ME)), 4 zweiachsige Personenwagen und ein kombinierter Pack-/Postwagen (alle ME Baujahr 1905) sowie 5 gedeckte und 3 offene Güterwagen (teilweise gebraucht übernommen von der württ. Staatseisenbahn). Der Betriebsmittelpunkt und auch Lokschuppen befanden sich in Untertuerckheim. Personell waren die Tuerkheimer Eisenbahn mit 3 Lokführern und 4 Heizern, 3 Schlossern, 5 Güterarbeiter und Rangierern, 3 Schaffner und 3 Personen in der Verwaltung und Fahrkartenverkauf üppig bestückt. Die Schlosser in der Werkstatt versorgten auch die Lok der nahe gelegenen Gasanstalt.
1934 wurde eine Lokomotive der Staatsbahn gebraucht übernommen. Die neue Lok 3 war früher als 92 446 (Dn2t, ME, 1919) im Einsatz. Die Loks 1+2 wurden als Reserve abgestellt und nach der Übernahme einer weiteren Lok 1“ (ex 98 705, Maffei, 1903) im Jahre 1936 endgültig abgestellt und verkauft. Der Personenverkehr war mit der Zeit stark rückläufig, so dass er zum Fahrplanwechsel im Mai 1937 eingestellt wurde. Die nahezu parallel verkehrende Straßenbahnlinie fuhr öfters und auch schneller in die Stadt und das sogar ohne umsteigen. Eine kurze Renaissance hatte der Personenverkehr in den Nachkriegsjahren, da die Straßen und die Straßenbahn ihre liebe Mühe hatte mit den vielen Hamsterfahrten hinaus ins Nesenbachtal. Aber bereits 1949 war dann endgültig Schluss mit dem Personentransport auf der Türckheimer Eisenbahn. Mit der Übernahme einer alten Diesellok aus Wehrmachtsbeständen (Typ WR360, MaK, Baujahr unbekannt) wurde 1950 der total überalterte Fuhrpark modernisiert. Die Dampfloks, außer Lok 1, wurden an die Württembergische Nebenbahn AG (WNB) in Weissach abgegeben. Lok 1 blieb als Reserve und wird noch gelegentlich angeheizt. Die Diesellok 1 erledigte den Verkehr bis 1962. Nach einem kapitalen Motorschaden musste die Lok abgestellt werden.
Die heutige Lok 3“ der TIBAG ist eine gebrauchte Lok O&K Lok der Deutschen Bundespost. Da der Lokpark relativ klein ist hat man nach Verhandlungen mit der Deutschen Bundesbahn eine Lokstellung für den Notfall erreichen können.

 

Das Mitteltürckheimer Industriegleis ist Bestandteil der 1906 gegründeten Türckheimer Industriebahn AG (TIBAG) das von Obertürkheim über Mittetürckheim nach dem 14,85 km entfernte Untertürkheim führt. Die Gesamtstreckenlänge beträgt inklusive aller Anschluss- und Abstellgleise 33,07 km. An beiden Endpunkten besteht Anschluss an das Netz der Deutschen Bundesbahn (DB). Alleiniger Besitzer der TIBAG ist die Stadt, der Betriebsleiter wird vom örtlichen Nahverkehrsbetrieb in Form des Werkstattleiters gegen Rechnung gestellt. Der Streckenunterhalt und die Wartung wird ebenfalls durch den örtlichen Nahverkehrsbetrieb gegen Rechnung durchgeführt. Betriebszeiten der TIBAG sind Montag bis Freitag von 06:00 Uhr bis 20:00 Uhr und Samstag von 07:00 bis 14:00 Uhr. Sonntags herrscht Betriebsruhe.

Konservenfabrik (km 5,78)
Dieser eng bebaute Industriekomplex mit seiner charakteristischen Hausdurchfahrt wird von allen Zügen durchfahren. Aus den angelieferten Coils werden Konserven aller Art hergestellt. Die Fassade mit ihren 100 Meter Länge ist Stadtbildprägend und wird auch von der Straßenbahn unterfahren. Das Wagenaufkommen liegt werktäglich bei 10 bis 15 Wagen, samstags sind es maximal 10 Wagen.

 

Brauerei „Thierbräu“(km 6,80)
Diese kleine, alteingesessene Brauerei (Eigentümer: Familie Daur) setzt sich für die ursprüngliche, sehr auf Handarbeit fixierte, alte Braukunst ein. Der Umsatz beweist, dass das Konzept stimmt. Der Hopfen z.B. kommt aus dem Brauerei eigenen Hopfengarten im Allgäu. Täglich kommen Güterwagen voll von Säcken mit der köstlichen Zutat. Das dem nahen Nesenbach kommt die andere berühmte Zutat dieser Brauerei: das Brauwasser. Unverkennbar ist auch Geruch in unmittelbarer Umgebung der Brauerei nach den Brauzutaten. In den Bierflaschen mit dem Bügelverschluß werden folgende Sorten im Programm geführt:

Grizzlybier = dunkles Hefeweizen
Karpfenbier = Hefeweizen
Biberbier = Kristallweizen
Iltisbier = naturtrübes Pils
Ochsenbier = Export
Reiherbier = Starkbier (nur zu bestimmten Anlässen)

Das Güteraufkommen beträgt Montag bis Freitag 8 bis 10 Güterwagen verschiedener gedeckter Bauarten. Kühlwagen kommen gelegentlich auch zum Einsatz, da etwa ein Drittel der Produktion nach Übersee verschickt wird. Der Hauptabnehmer hat seinen Sitz in Stuttgart (USA).

 

Möbel Martin (MÖMA) (km 7,74)
DDie Firma (Eigentümer: Martin Daur, ein Spross der Bierbrauerfamilie) ist führender Hersteller für Schulmöbel und produziert seit einiger Zeit im Mitteltürkheimer Werk unter dem Markenname „Martin Möbelmanufaktur“ exklusive Wohnmöbel.
Die Anlieferung findet mit Rungen-, Schiebewand-, Hauben- und gedeckten Wagen statt. Der Abtransport wird ausschließlich mit Schiebewand- und Haubenwagen, in Ausnahmefällen auch mit gedeckten Wagen, gemacht. Das Verkehrsaufkommen beträgt Montag bis Freitag zwischen 5 und 8 Güterwagen.

 

 

Postamt 7 (Bismarckplatz) der DBP (km 8,97)
Im Postamt 7 wird erster Linie Paketpost, aber auch Briefpost umgeschlagen. Es besteht in der Umladehalle eine direkte Umlademöglichkeit zur Poststraßenbahn des örtlichen Nahverkehrsunternehmens. Ferner wird hier auch auf Lkw der Deutschen Post umgeladen. Hier werden im Regelfall die Postkurse aus dem Remstal, dem Filderraum und dem Nesenbachtal bearbeitet. Eine Postkursverbindung zum Hauptpostamt besteht zweimal täglich. Im Regelfall wird das Postgleis von 2- und 3- achsigen Postwagen angefahren. In Ausnahmen werden auch 4-achsigen Wagen eingesetzt. Montag bis Freitag werden hier bis zu 7 Postwagen bearbeitet, samstags werden nur 3 Postkurse bearbeitet.

 

SIGO Werk I (km 10.67)
Das bereits bei der Bahneröffnung stehende Werk wurde bereits 1896 erbaut und mehrmals umgebaut und vergrößert. Der Firmengründer Siegesmund Habersack stellte hier am Anfang seine legendären Haferkekse, die „Haferknacker“, her. Später wurde das Programm um die Schokoladenproduktion erweitert, was zur Folge hat, dass je nach Wetterlage, die ganze Gegend nach Kakao riecht.
Die Firma hat inzwischen weitere Werke bauen müssen, da das Stammwerk nicht vergrößert werden kann. Die derzeitige Besitzerin Silvia Hölscher, wollte unbedingt die Hauptverwaltung beim Stammwerk belassen, so dass eine ungewöhnliche Gebäudeform, entsprechend der Grundstücksgrenzen, für den Neubau entstanden ist. Das Güteraufkommen ist Montag bis Freitag bei 3 bis 5 Güterwagen der geschlossenen Bauart.

 

Stahlhandel Dewald (km 9,34)
Die Niederlassung der Rheinstahl befindet sich in der Gabrielenstraße. Kurz nach der einzigen DKW der TIBAG führt das Gleis in die große Halle mit der gewaltigen Krananlage. Hier werden Stahlplatten entsprechend der Kundenwünsche auf Maß gebracht. Das Frachtaufkommen ist hoch ( 8 bis 10 Güterwagen von Montag bis Freitag), da die Branche gerade boomt. Die Anlieferung erfolgt mittels Flach- und Schwerlastwagen, der Abtransport mittels Haubenteleskop-, Schiebewand- oder Rungenwagen. Es gibt ferner eine Ein- und Ausfahrt zur Gabrielenstraße, damit die Lkw die Feinverteilung über die Straßen übernehmen können.